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Weinbauinfo-Nr. 20-2017

Datum: 31.08.2017

Agenda:      Informationen zum Reifeverlauf und Kirschessigfliege

 

Vegetationsstand und Witterung

Die schwülwarmen bis heißen Tageshöchsttemperaturen mit ebenfalls überwiegend warmen Nachttemperaturen haben die Reife weiter beschleunigt. Wiederum ist eine Öchslezunahme zwischen 8-12° zu verzeichnen. Nach wie vor ist der Gesundheitszustand der Trauben als sehr positiv zu beschreiben. Ausnahme sind, wie schon im letzten Info berichtet, Rebanlagen mit kompakten Sorten und Klonen und die Trauben, die z.B. durch Wespen- oder Mäusefraß vorgeschädigt sind. Hier können schon Fäulnisnester, überwiegend Essigfäulnis, beobachtet werden. Solche Anlagen werden auch verstärkt von den Fruchtfliegen beflogen. Hier kann man beide Arten, also auch die Kirschessigfliege, finden.

Die Lese am Kaiserstuhl hat begonnen. Neben den frühreifenden Sorten wie Solaris, Acolon und Dunkelfelder sind auch schon Pinotklone geerntet worden. Ab nächster Woche werden verstärkt Vorlesen und erste Müller-Thurgau-Lese stattfinden. Ab 11. September ist mit der Hauptlese insgesamt zu rechnen.

Die Wettervorhersage meldet nach heutigen Regenfällen ab Morgen und über das Wochenende zunehmende Bewölkung mit sonnigen Abschnitten. Die Tageshöchsttemperaturen sollen sich zwischen 20-25°C bewegen. Es wird eine spürbare Nachtabkühlung zwischen 12-14°C erwartet. Insgesamt positive Aussichten. Insbesondere die Nachtabkühlung könnte zu einer verstärkten Fruchtausbildung in den Trauben führen und erfahrungsgemäß auch das Fäulnisrisiko etwas bremsen!

 

Aktueller Stand Kirschessigfliege (KEF)

Die sonnig heißen Tage der letzten Woche haben die Populationsentwicklung der KEF auf geringem Niveau gehalten. Nur in wenigen Fällen (frühe, anfällige Sorten, vorgeschädigte Beeren) konnte man Flug in den Reben beobachten!

Gerade die aktuelle Wetteränderung und die aktuelle Feuchtigkeit können die Populationsentwicklung eventuell fördern.

 

 

Bitte kontrollieren sie ihre Rebanlagen genau auf einen Besatz mit Kirschessigfliegen. Besonders gefährdet sind hierbei die anfälligen, rotfärbenden Sorten aber auch Bestände in Wald- und Böschungsnähe. Unter den beschriebenen günstigen äußeren Bedingungen können auch jetzt reifenden Pinotklone, mischbeerige Spätburgunder-Klone, Roter Muskateller, Gewürztraminer, evtl. auch Grauburgunder mit früherer Reife oder Anlagen mit geringerem Ertragsniveau aktuell gefährdet sein. Kontrollieren sie an mehreren Stellen der Anlage, da der Befall lokal sehr unterschiedlich sein kann. Auch bekannte, feuchtere Lagen bieten bessere Entwicklungsbedingungen für die KEF und sind dadurch stärker gefährdet. Kontrollieren sie ihre Anlagen in den frühen Morgenstunden, da dort eine erhöhte Aktivität der Fliegen zu beobachten ist.

Erkennen können sie das KEF-Männchen an dem jeweils schwarzen Punkt auf den beiden Flügeln. Wo Männchen sind, sind i.d.R. auch Weibchen.

Die Bonitur der Eier ist relativ schwer. Hierzu benötigen sie mindestens ein Vergrößerungsglas mit 10-facher Vergrößerung. Die Eier kann man an den weißen Atemschläuchen erkennen.

Die Notwendigkeit einer flächigen Bekämpfung der KEF besteht im Moment nicht.

Eine Bekämpfung kann nur Sinn machen, wenn aktiv KEF im Bestand gefunden wird oder Eiablage nachgewiesen ist.

Falls eine Bekämpfung erfolgt muss der Lesetermin in Bezug zur Einhaltung der Wartezeiten der eingesetzten Insektizide beachtet werden!!! Sprechen sie diesbezüglich auch mit ihrem Vermarktungsbetrieb!

 

  1. Bekämpfungsmaßnahmen/Zulassungssituation

2017 stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

Kombinationsverfahren:

  • Combi-protec als Tankmischung mit SpinTor

1 L Combi-protec/ha mit 5 ml SpinTor/ha in 20 l Brühe bienengefährlich, WZ 14 Tage, es gelten die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten von SpinTor!

  • Combi-protec als Tankmischung mit Mospilan

1 L Combi-protec/ha als Tankmischung mit 25 g/ha Mospilan 20 l Brühe, WZ 14 Tage, es gelten die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten von Mospilan

Sprühverfahren:

  • SpinTor 0,16 L/ha, 2 Anwendungen, WZ 14 Tage, bienengefährlich
  • Mospilan SG 0,375 Kg/ha, 1 Anwendung, WZ 14 Tage
  • Karate Zeon 0,075 L/ha, 1 Anwendung, nur Traubenzone, WZ 7 Tage, Gebrauchsanleitung betreffend Abdriftminderung, Düsen ITR 80-01 C beachten, raubmilbenschädigend!!! Bei unsachgemäßer Anwendung ist Folgebefall durch Spinnmilben möglich!!!
  • Exirel 0,9 L/ha , 1 Anwendung , WZ 10 Tage, bienengefährlich

 

Bei allen Mittel mit Einstufung B 1 = bienengefährlich müssen die Rebanlagen vor deren Anwendung ohne blühenden Unterbewuchs sein, d.h. die Analgen müssen vorher gemulcht werden!

 

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu Mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben. Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit (Kernarbeitszeit 09:00-19:00 Uhr) eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.

 

 

 

Reifemessungen (Quelle Dr. Amann und Kollegen, WBI)

Reifemessungen vom 28.08.2017, ermittelt vom Staatlichen Weinbauinstitut, Freiburg

 

Ergebnisse vom Blankenhornsberg in Ihringen

Rebsorte                                             °Oechsle         Säure [g/L]                 pH-Wert

Müller-Thurgau (Weinbauberatung)

Weißer Burgunder (Osthang)

Weißer Burgunder (Adolfsberg, alt)

Grauer Burgunder (Doktorboden)

Grauer Burgunder (unterer Boden)

Chardonnay (oberer Boden)

Spätburgunder (Balschental Hang)

Spätburgunder (oberer Boden)

Spätburgunder (Schmiedleboden)

Riesling (Weißenberg)

Muskateller (große Terrasse)

76

81

93

91

87

85

82

81

92

82

91

 

13,8

13,7

12,7

12,9

11,7

14,0

13,5

9,2

16,5

8,3

 

3,0

3,0

3,0

3,1

3,0

3,0

3,0

3,1

2,9

3,1

 

Dies ist nun vorerst die letzte Weinbauinfo vor der Lese. Ich wünsche allen Winzerinnen und Winzer eine erfolgreiche und gesunde Traubenlese 2017 und bedanke mich für die gute Zusammenarbeit!

 

 

 

Gez.

 

Tobias Burtsche

Weinbauberatung Kaiserstuhl

 

Terminankündigung:

 

06.09.2017      17:30 Uhr       Versuchsbegehung in Burkheim

Thema: „Stickstoffdüngung“ und Informationen zur

„Neuen Düngeverordnung“

Veranstalter: Staatliches Weinbauinstitut, Freiburg

Referenten: Herr Schies und Fr. Dr. Riedel

Treffpunkt: Parkplatz Kreuz-Post

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