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Weinbauinfo Markgräflerland Nr. 11

Datum: 14.06.2018

Allgemeine Situation:

Ein sehr warmer Frühling hat, zusammen mit ausreichend Niederschlägen, zu einem sehr frühen Entwicklungsstand und auch zu erfreulich vitalen Rebbeständen geführt. Bei Burgunderanlagen mit kompakten Klonen ist das Rebstadium „Traubenschluss“ in den frühen Lagen erreicht. Entgegen der ersten Einschätzung findet man nun, insbesondere in jüngeren Anlagen - oft auch nur an einzelnen Stöcken - Verrieslungsschäden. Die kurze Blüte und das starke vegetative Wachstum brachten Stress für den Energiehaushalt der Rebe. Dies hat, zusammen mit hohe Temperaturen an einzelnen Tagen, das Blühergebnis teilweise beeinträchtigt. Da die Traubenzahlen aber hoch, bei Gutedel und Müller-Thurgau sehr hoch sind, und das Blühergebnis in der Summe hervorragend ist, gibt es keinen Anlass zum Jammern.  

Die Wettervorhersage meldet für die kommenden 8 Tage weiterhin recht warm und weitgehend trocken, so dass das Beerenwachstum weiterhin zügig vorankommt.

 

Rebschutz:

Peronospora:

Durch die oft heftigen Starkregenereignisse war der Infektionsdruck durch den Peronosporapilz in den vergangenen zweieinhalb Wochen sehr hoch. Guter Rebschutz hat aber Infektionen weitgehend verhindert. Die allermeisten Rebanlagen im Markgräflerland sind absolut gesund. Seit Montag (11. Juni) sieht man jedoch auf etlichen in einzelnen Anlagen Gemarkungen sporulierende Flecken an den Blättern im oberen Laubwandbereich. Gescheinsbefall habe ich noch keinen gefunden, dieser zeigt sich aber immer mit Verzögerung. Zumeist sind es Anlagen, wo die Laubarbeit und wahrscheinlich auch der Rebschutz unzureichend war/ist. Insgesamt sehe ich aber keinen Grund zur Besorgnis. Wenn die Laubwände gestutz sind und diese dann einen guten Belag bekommen dürfte nicht mehr allzu viel passieren.

Oidium: Das Risiko für Oidiuminfektionen an Trauben nimmt zwar jetzt langsam ab. Aber bis Erbsengröße sind die Beerchen recht anfällig.

Botrytis/Fäulnis: Die Zeichen stehen auf einen frühen Lesebeginn (ähnlich 2011) und bei vielen Sorten/Klonen ist mit kompakten Trauben zu rechnen. Darüber hinaus sieht man auch immer wieder abgestorbene Blütenreste in den Trauben. Die vorbeugenden Maßnahmen zur Fäulnisvermeidung sind bekannt und wurden auch bereits von vielen Winzern durchgeführt. Deutlich mehr als in den vergangenen Jahren haben Winzer Bioregulatoren zur Traubenlockerung eingesetzt. Sowohl bei Gibb, als auch bei Regalis höre ich von guten Ergebnissen. Ich weiß, viele Winzer haben Respekt vor diesen Mitteln, der durchaus berechtigt ist, Aber reden Sie jetzt mit Ihren Kollegen, welche diese Mittel eingesetzt haben und schauen sie die Anlagen an. Neben diesen bekannten weinbaulichen Maßnahmen zur Fäulnisvermeidung steht in den nächsten Tagen die wichtige chemische Maßnahme der „Vortraubenschlussspritzung“ mit einem Botrytismittel an. In den späteren Lagen und auch bei Müller-Thurgau kann auch noch in die kommende Woche gezogen werden.

Tierische Schädlinge: In den letzten 10 Tagen kamen Meldungen über Heuwurmbefall, auch aus Pheromongebieten. In den meisten Fällen handelte es sich um Springwürmer. Im Normalfall haben sie ihren Unterschlupf in zusammengerollten Blättern, aber auch oft in den Gescheinen/Trauben. Da die Schadschwelle des Springwurmwicklers sehr hoch ist, ist eine Behandlung nicht notwendig

Der Flug der zweiten Generation des Traubenwicklers steht kurz bevor. Deshalb sollten, falls noch nicht geschehen, jetzt dann bei den Fallen die Lockstoffkapseln ausgetauscht und die Fallen ab sofort wieder regelmäßig kontrolliert werden.

 

Spritzempfehlung: Auf Grund der gesundenLaubwände und der vorhergesagten weitgehend trockenen Witterung kann der Spritzabstand jetzt auf 10 bis 12 Tage gezogen werden. In Anlagen mit Perobefall muss man aber aufpassen und den Abstand kürzer wählen, denn in solchen Anlagen reicht jetzt Taunässe für die weitere Ausbreitung aus.

Mittelempfehlung: Gegen Peronospora ein Kontaktmittel, wie z.B. Folpan 80 WDG (1,4 kg/ha), Folpan 500 SC (2,1l/ha), Vyderio (2,2l/ha), oder Enervin (3,5kg kg/ha). Beachten Sie, dass Orvego und Enervin mit dem Wirkstoff Initium in der gleichen Resistenzgruppe sind und deshalb nicht zweimal hintereinander und insgesamt nur dreimal eingesetzt werden dürfen.

Für Tafeltraubenerzeuger sind folpethaltige Produkte tabu. Hier wäre noch Mildicut (3,5l/ha), Polyram (2,8kg/ha), oder Dithane Neo Tec (2,8kg/ha) eine Alternative.

Der Zusatz von phosphonathaltigen Mitteln wird jetzt nicht mehr empfohlen. Bei Junganlagen ist der Zusatz eines phosphonathaltigen Mittels, z.B. Veriphos (20ml/10l) als Zuwachsschutz aber weiterhin sinnvoll.

Wenn unmittelbar vor der Spritzung ergiebige Niederschläge fallen sollten, aber nur dann, bringt ein kuratives Peromittel, z.B. Sanvino (1,3kg/ha), Melody Combi (2,1kg/ha), oder Vino Star (1,75kg/ha) mehr Wirkungssicherheit.

Gegen Oidium empfehlen wir ein organisches Fungizid, z.B. Talendo (0,35l/ha), Kusabi (0,26l/ha), Dynali (0,7l/ha), Vivando (0,28l/ha), oder Vegas (0,42l/ha).

Gegen Botrytis als Vortraubenschlussspritzung ist der Einsatz eines Botrytismittels, z.B. Switch (ganze Laubwand 0,96kg/ha; oder als Traubenzonenbehandlung 0,48kg/ha), Cantus (gL 1,2kg/ha; TZ 0,6kg/ha), Prolectus ((gL 1,2kg/ha; TZ 0,6kg/ha), oder Teldor (gL 1,6kg/ha; TZ 0,8kg/ha) in diesem Jahr sinnvoll, Beachten Sie aber unbedingt die Vorgaben Ihres Vermarkters.

 

Mittelmenge/ha derzeit = Basismenge/ha x 3,5; Traubenzonenbehandlung = Basisaufwandmenge x 2.

Der Zusatz von Blattdüngern ist, bis auf einzelne Ausnahmen, in der Regel nicht notwendig.

 

Weinbauliche Arbeiten:

Für das maschinelle Entblättern mit „Zupf-Blas-Technik“ oder reiner „Zupf-Technik“ ist jetzt der ideale Zeitpunkt. Auch für das „Blasen“ ist es noch nicht zu spät. Hier muss man aber darauf achten, dass es nicht zum Aufplatzen der Beerchen kommt. Wichtig ist, dass die Maschinen nicht zu hoch eingestellt werden. Bei mischbeerigen Klonen und auch bei L-Klonen muss man beim „Ausblasen“ aber vorsichtig sein. Gerade bei kleineren Nebenerwerbsbetrieben, wo arbeitsmäßig eher Luft ist, kann natürlich auch mit dem „Handentblättern“ begonnen werden. Hinsichtlich Sonnenbrandvorbeugung ist es wichtig, dass beim Entblättern ein „Sonnendach“ stehen bleibt und dass die Entblätterung möglichst früh erfolgt. Dadurch werden die Beeren besser abgehärtet.

Ich weiß, dass in diesem Jahr, bedingt durch das extrem schnelle Wachstum, die Heftarbeiten sehr stressig waren. Ihr Winzer habt enormes und zumeist auch sehr gute Arbeit geleistet. Aber Ihr seht den Traubenbehang draußen. Deshalb steht auch nach dem Gipfeln in vielen Anlagen bezüglich entfernen von Kümmertrieben/Doppeltrieben und ganz wichtig auch bei jüngeren Anlagen mit dem Trauben entfernen noch Handarbeit an.

 

Bodenpflege:

Bei Junganlagen in Hanglagen sieht man oft Erosionsschäden. Hier haben sich quer zum Hang liegende Strohballen oder Strohriegel zur Verminderung der Bodenerosion recht gut bewährt. Auch für die Einsaat von Junganlagen oder von bearbeiteten Gassen ist es jetzt ideal. Für Junganlagen ist Phacelia (6kg/ha ganzflächig) zusammen mit Buchweizen (10kg/ha) sinnvoll. Kleehaltige Mischungen, z.B. die Wolff-Mischung, sind wegen des hohen Wasserverbrauches durch den Klee, in den ersten drei Jahren nicht geeignet.

 

Umstrukturierung:

Nach erfolgter Pflanzung bzw. Montage der Tropfschläuche sind die entsprechenden Propfreben-, bzw. Materialrechnungen möglichst umgehend, jedoch spätestens zum 15. Juli, mit Angabe Ihrer Anschrift und Unternehmensnummer einzureichen.

Bitte beachten sie auch, dass bei beantragten Flächen mit höherem Förderbetrag (Steillagen über 30%), die im Infoschreiben zur Umstrukturierung mit dem CODE 3370 gekennzeichnet sind, bei der Kontrolle die Drahtanlage (Endpfähle, und der erste Draht) erstellt sein muss.

 

Nächster Aufruf am Donnerstag, dem 21. Juni.              

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