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Weinbauinfo-Nr. 20-2018

Datum: 23.08.2018

Datum: 


Vegetationsstand und Witterung
Die anhaltend trocken-heiße Witterung hat den Anteil der trockengestressten Rebanlagen am Kaiserstuhl sichtlich erhöht. Die Unterschiede bezüglich Wasserverfügbarkeit einerseits, dem Alter der Reben bzw. Ertragshöhe und Bewirtschaftung andererseits, sind je nach Gemarkung so unterschiedlich wie selten zuvor. Hatten wir doch während der gesamten Vegetationsperiode eine lokal sehr unterschiedliche Niederschlagsverteilung.
Der Blick auf die Säurewerte (Daten WBI) zeigt eine enorme Reduktion. Die Werte bewegen sich im zeitlichen Vergleich unterhalb der 2015er aber noch oberhalb von 2003. Die Säuerung ist für 2018 zugelassen und kellerwirtschaftlich unabdingbar um die pH-Werte auf einen für die Weinbereitung günstigen Wert einzustellen.
Die Öchslewerte sind ebenfalls sehr unterschiedlich und haben bei den reichtragenden Ertragsanlagen ohne künstliche Bewässerung nur noch um 2-3° in der vergangenen Woche zugenommen. Hingegen sind die ertragsreduzierten Anlagen (80-100 Kg/ar) bei ausreichender Wasserversorgung um ca. 7°Öchsle angestiegen. Hier erreichen z.B. die Grauburgunder bis zu 90°. Meiner Einschätzung nach ist der Stoffwechsel der Reben bedingt durch die hohen Tagestemperaturen, die starke Sonneneinstrahlung und die anhaltende Trockenheit starke beeinträchtigt bzw. gebremst. Auch die ungleiche Reife der Trauben, viele grünen Beeren im Grau- und Spätburgunder sind besonders ausgeprägt in 2018. Hier braucht die „physiologische Reife“ noch Zeit um diese Ungleichheit auszugleichen!
Die aktuelle weinbauliche Situation ermöglicht keine pauschale Aussage zum Lesebeginn. Aus der Praxis werden große Bedenken hinsichtlich der stark reduzierten Säure und möglicher hoher Öchslewerte (hohe Alkoholwerte) geäußert. Dies sind Zeichen des Klimawandels die wir schon von den Jahrgängen 2003, 2007, 2009, 2011, 2015 kennen. Einige Betriebe haben mit der Lese begonnen. Dies sind in erster Linie Sektgrundweine (80-82° Öchsle werden maximal angestrebt!!!), Traubensaft und Neuer Süßer. Dann werden sicherlich die frühreifenden Sorten wie z.B. Acolon, Cabernet Dorsa, Regent etc. und ertragsreduzierte Selektionsanlagen folgen. Diese haben höhere Mostgewichte, teilweise über 90°.
Wiederum separat sind die Rebanlagen mit künstlicher Beregnung (Tropfbewässerung) zu betrachten. Hier hat der Stoffwechsel der Reben durchgearbeitet (Bsp. Blankenhornsberg, Ihringen). Entsprechend ist die Reife fortgeschritten und mit der Lese kann begonnen werden.
In vielen Basisanlagen (angestrebte Erträge über 120 Kg/ar) benötigt die Reife noch Zeit und ich meine auch den ersehnten Niederschlag um die Trockenheit zu beenden. Leider sind nur geringe Niederschlagsmengen vorhergesagt.
Bei vorzeitiger Lese unreifer Trauben aus gestressten Rebanlagen ist ein hohes Risiko betreffend UTA= untypische Alterungsnote und daraus resultierender mangelhafter Weinqualität zu bedenken. Im Moment ist überwiegend ein hervorragender Gesundheitszustand, keine Botrytis, wenig Insektenfraß etc., keine Kirschessigfliege zu beobachten (Ausnahme Anlagen mit Mehltaubefall). Dies ermöglicht uns die angekündigte Abkühlung und die vorhergesagten, erhofften Niederschläge und gegebenenfalls die „physiologische Reife“ abzuwarten.
 
 
 
 
 
Reifemessungen (Tobias Burtsche, Weinbauberatung Kaiserstuhl)
Reifemessungen vom 22.08.2018

Rebsorte
Gemarkung
Ertragsziel geschätzt
°Öchsle
Müller-Thurgau
Burkheim Käsleberg
200 Kg/ar
64
Müller-Thurgau
Burkheim Käsleberg
150 Kg/ar
70
Grauburgunder
Bischoffingen
120 Kg/ar
78
Grauburgunder
Achkarren
80 Kg/ar
88
Weißburgunder
Oberrotweil
150 Kg/ar
74
 
 
Rebschutz
Tierische Schädlinge
Kirschessigfliege

Die trocken-heiße Witterung verhindert weiterhin eine Populationsentwicklung der Kirschessigfliege im Weinbau. Der trocken-heiße August 2015 hatte ähnliche Auswirkungen auf die Population der KEF.
Auch die Untersuchungen zur Eiablage durch das WBI ergeben bisher keine Eifunde! Siehe hierzu in Vitimeteo Monitoring: „Eiablage KEF“.  Somit besteht diesbezüglich im Moment kein Handlungs- bzw. Bekämpfungsbedarf. Kontrollieren sie weiterhin ihre gefährdeten Anlagen!
 
Nachfolgend die aktuelle Zulassung zur Bekämpfung der KEF, falls überhaupt in 2018 irgendwo nötig. Achten Sie auf jeden Fall auf die einzuhaltenden Wartezeiten und die Anwendungsbestimmungen zum Bienenschutz!
Bekämpfungsmaßnahmen/Zulassungssituation
2018 stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
Kombinationsverfahren:
§  Combi-protec als Tankmischung mit SpinTor
1 L Combi-protec/ha mit 5 ml SpinTor/ha in 20 l Brühe bienengefährlich, WZ 14 Tage, es gelten die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten von SpinTor!
§  Combi-protec als Tankmischung mit Mospilan
1 L Combi-protec/ha als Tankmischung mit 25 g/ha Mospilan 20 l Brühe, WZ 14 Tage, es gelten die Anwendungsbestimmungen, Auflagen und Wartezeiten von Mospilan
Sprühverfahren:
§  SpinTor 0,16 L/ha, 2 Anwendungen, WZ 14 Tage, bienengefährlich
§  Mospilan SG 0,375 Kg/ha, 1 Anwendung, WZ 14 Tage
§  Karate Zeon 1 Anwendung, nur Traubenzone (halbe Aufwandmenge 0,0375 L/ha), WZ 7 Tage, Gebrauchsanleitung betreffend Abdriftminderung, Düsen ITR 80-01 C beachten, raubmilbenschädigend!!! Bei unsachgemäßer Anwendung ist Folgebefall durch Spinnmilben möglich!!!
 
Bei allen Mittel mit Einstufung B 1 = bienengefährlich müssen die Rebanlagen vor deren Anwendung ohne blühenden Unterbewuchs sein, d.h. die Anlagen müssen vorher gemulcht werden!
 
Sonstige Hinweise
Anwendungsverbot von Confidor WG 70 ab dem 19.09.2018

Das Insektizid Confidor WG 70, Wirkstoff Imidacloprid zählt zu den „Neonicotinoiden“ und erfüllt nicht mehr die Zulassungsvoraussetzungen nach Art. 29, Abs. 1 der Verordnung (EG)-Nr. 1107/2009. Die Genehmigung des PSM wird widerrufen. Confidor WG 70 hat ab 19.09.2018 ein Anwendungsverbot im Weinbau.
PAMIRA Abgabe von Pflanzenschutzmittel Verpackungen und Kanister
Die Sammelstelle Merdingen, ZG Raiffeisen nimmt am 04.09 und 05.09. zwischen 08.00 und 17:00 Uhr (Mittagspause 12:00-13:30 Uhr geschlossen) PSM-Verpackungen entgegen.
 
Ich wünsche allen Winzerinnen und Winzer eine erfolgreiche und gesunde Lese und bedanke mich für die konstruktive Zusammenarbeit während der Vegetation 2018.
 
Dies ist das letzte Weinbauinfo der Saison 2018. Ich melde mich nach der Lese wieder.
 
Tobias Burtsche
Weinbauberatung Kaiserstuhl

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