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Weinbauinfo Bodensee Nr. 10

Datum: 13.06.2018

Allgemeiner Entwicklungsstand

Wir schreiben nicht einmal Mitte Juni und in den Weinbergen sieht man einen Verlauf als bewege man sich durch ein Bild von Dahli – unwirklich und fremd. Anlagen sind gestutzt, entblättert und die Trauben senken sich. Man hat Mühe, seine innere Uhr anzupassen. Selbst unsere älteren Winzer kennen kein vergleichbar frühes Jahr. Der bisherige Verlauf ist bis auf wenige Ausnahmen ausgesprochen gut. Die Bestände sind in einem ausgezeichneten Gesundheitszustand und nach wie vor sehr wüchsig. Bei den zu beobachtenden Verrieselungen gibt es eine breite Streuung: von kaum bis auch heftig. Hier muss eine frühere Aussage zurückgenommen werden. Kurze, starke Blüte und starkes Wachstum scheinen den Energiehaushalt der Rebe doch zu überfordern. Gute Wirkung zeigen ebenfalls die Lockerungsmassnahmen. So haben wir überwiegend eher lockere Trauben vorliegen. Wie das Beerenwachstum im Normalfall diese noch füllt, wird sich zeigen, bei heftig Verrieselten bleibt es locker. Die vergangenen Tage brachten verbreitet im gesamten Beratungsgebiet Landregen, wie üblich mit deutlichen lokalen Unterschieden. Für die kommende Woche ist trockenes und warmes Wetter angesagt. In Verbindung mit dem Wasser bleibt es bei günstigen Wachstumsbedingungen.

Zu den tierischen Schädlingen

Für die zweite Generation der Traubenwickler sollten nun die Kontrollfallen spätestens mit neuen Köder und Leimstreifen bestückt sein und die Beobachtung durchgeführt werden. Es liegen erste, zum Glück aber nur sehr vereinzelte Meldungen zu Blattbefall von Reblaus an Europäerreben vor. Bitte melden Sie uns unbedingt alle Verdachtsfälle und unterstützen Sie alle Massnahmen zur Sauberhaltung der Rebgebiete.

 

Zu den Pilzkrankheiten

Auch ein Phänomen dieses Jahres: bisher liegt eine einzige Peronosporabefallsmeldung eines Bodentriebes aus dem Beratungsgebiet vor. Ohne Ölflecken keine Sekundärinfektionen der Peronospora in der Laubwand, was bedeutet: der Druck ist gering und der Gesundheitszustand ausgezeichnet. Möglich wären einzig Bodeninfektionen. Daher kann die nächste Behandlung auf Ende Inkubationszeit, ausgehend von den letzten Regen, eingeplant werden. Dies liegt um das kommende Wochenende im gesamten Beratungsgebiet. Zum Einsatz kommen: am Tuniberg gegen Peronospora: Kontaktmittel wie Folpan 80 WDG mit 1,4 kg / ha, als flüssige 500 SC Formulierung mit 1,8 l / ha Mittelaufwand. In Betrieben mit weitestgehend abgeschlossenen händischen Laubarbeiten kann auch Delan WG mit 0,7 kg / ha Mittelaufwand eingesetzt werden. Mehr Schutz der jungen Trauben für mehr Geld bietet Enervin mit 3,5 kg / ha Mittelaufwand. Phosphonate sind nun nicht mehr erforderlich, es wird schon gegipfelt. Bei notwendiger Behandlung nach Gewittern oder starken Regen zum geplanten Pflanzenschutztermin ein Einsatz tiefenwirksamer Mittel wie z.B. bevorzugt Orvego oder andere wie VinoStar, Ampexio, Forum Gold oder Melody Combi in der empfohlenen Aufwandmenge Basisaufwand x 3,5. Beachten Sie: Enervin und Orvego enthalten denselben Wirkstoff Initium, der aus Resistenzgründen nicht mehr wie zweimal eingesetzt werden kann. Wir verlassen rasch die kritische Phase bei Oidium. Gegen Odium nun ein organisches Oidiummittel wie Dynali mit 0,7 l / ha Mittelaufwand oder auch Systhane mit 0,21 l / ha oder Topas mit 0,28 l / ha Mittelaufwand. Der Zusatz von 2 kg / ha Netzschwefel wird empfohlen. Im Bodenseeraum ist dies die zweite Nachblütebehandlung. Bei Peronospora bedeutet dies die oben genannten Peronosporamittel mit Basisaufwand x 3. Gegen Oidium nochmalig Mittel wie z.B. Vivando mit 0,24 l / ha, Talendo mit 0,3 l / ha, Sercadis mit 0,18 l / ha oder als Strobilurinmittel einmalig Collis mit 0,4 l / ha Mittelaufwand. Kombinationsmittel wie Luna Experience mit 0,31 l / ha Mittelaufwand sind ebenfalls möglich, denken Sie aber aus Resistenzgründen an den Einsatzumfang der Triazolwirkstoffe. Bei den Blütehandlungen sollten die Oidium empfindlichen PIWI – Sorten mit behandelt werden. Beachten Sie die Hinweise zur Tafeltraubenzulassung, da nun auf Trauben behandelt wird. Bei der kommenden Behandlung wird der Zusatz von 12 – 15 kg / ha Bittersalz, Produkt Epso – Top, empfohlen. Es kann zur normalen als auch in der Traubernzonenbehandlung zugesetzt werden.

Am Tuniberg laufen die Vor – Traubenschlussbehandlungen, im Bodenseegebiet wird sich gegen Ende der nächsten Woche der Traubenschluss einstellen. Beobachten Sie ihre Bestände. Sollten die verbreiteten grossen Gescheine etwas länger locker bleiben, dann ist es empfehlenswert, den Behandlungszeitpunkt zu verschieben, um die Wirkungsdauer nach hinten besser nutzen zu können. Zum Einsatz kommen: zur Traubenzonenbehandlung ein Botrytismittel wie z.B. Teldor mit 0,8 kg / ha, Switch mit 0,48 kg / ha oder Cantus mit 0,6 kg / ha Mittelaufwand. Als neues Mittel aus der Wirkstoffgruppe von Teldor ist Prolectus auf dem Markt, Mittelaufwand 0,6 kg / ha. Der Wasseraufwand beträgt 600 l / ha im Spritz- und 300 l / ha im Sprühverfahren. Gutes Handwerk bei dieser Massnahme bedeutet das fahren jeder Gasse. Wir befinden uns in einem frühen Jahr, es sollten alle Massnahmen, die auch gegen Essig schützen oder diesen verzögern, umgesetzt werden.

 

Weinbauliche Hinweise
Die Trauben haben ein ideales Stadium für das moderate Ausblasen. Die Lockerheit begünstigt das fahren in den unteren Druckbereichen von 0,4 bis 0,5 bar. Das moderate Ausblasen wird wegen seiner Tiefenwirkung empfohlen. Sauberkeit im Inneren des Traubengerüstes ist wichtig und von grossem Vorteil. Aber alle anderen Entblätterungsmassnahmen können umgesetzt werden, sofern die übrigen Laubarbeiten und Bestandsarbeiten es ermöglichen. Bei den Entblätterungsarbeiten sollte ein die Traubenzone deckendes Dach als Schutz erhalten bleiben. Legen Sie grossen Wert auf luftige Traubenzonen und Laubwände: Kümmertriebe entfernen und endlich, das ordentliche restliche Aufheften. Junganlagen im zweiten und dritten Standjahr können jederzeit entlastet werden. In den Neupflanzungen wird die mechanischen Pflege des Pflanzstreifens als klassische bewährte Methode empfohlen, damit ein ordentliches Wachstum gesichert ist. Bei Wachstumsstörungen ist Kontakt mit dem Lieferanten oder der Weinbauberatung aufzunehmen. Die vielen Stark – und Schlagregen zeigen den Wert von Massnahmen gegen Erosion, z.B. das legen von stärkeren Strohstreifen, auch bei eingesäten Junganlagen. Die Einsaaten brauchen auch Tage, bis diese den eigentlichen Schutz bieten.

 

Sonstige Hinweise

Wir erinnern an die Abgabe der Rechnungen für Pflanz – und Bewässerungsmaterial bis spätestens zum 15. Juli 2018. Der Termin ist eine Ausschlussfrist. Am 20. Juni ist am Tuniberg die 2. gemeinsame Begehung des Badischen Winzerkellers. Treffpunkt: Oberrimsingen, am Höhenweg um 18:00 Uhr.

 

Sofern nicht anderst erforderlich erfolgt das nächste Weinbauinfo am 21. Juni 2018.

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