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Weinbauinfo Bodensee Nr. 20

Datum: 06.09.2018

Allgemeiner Entwicklungsstand

„S’herbschdelet“ sagt man im Alemannischen. Bei schönem Wetter haben wir den meteorologischen Sommer verlassen. Vergangenes Wochenende brachte in ganz Südbaden – mit Ausnahme wieder vom Bodenseeraum – eine erfreuliche Erfrischung mit flächendeckend über 20 mm schönen Landregens und führte zu einer erfreulichen Abkühlung und damit verbunden, zu einer Auffrischung der Bestände. Zwar soll es auf das Wochenende leichte Regen geben, die weitere Prognose bringt aber stabiles, spätsommerlich warmes Wetter. Glückliches Südbaden, könnte man sagen. Für unseren ausgesprochen frühen Jahrgang bedeutet dies vorerst weiterhin beste Gesundheit in den Anlagen. Selten haben wir flächendeckend einen solchen traumhaften Gesundheitszustand in den Analen. Das gilt auch für die Ertragslage, wir stehen vor einer grossen Lese. Besonders in den Sortengruppen Müller – Thurgau und Gutedel haben wir reichlich Anlagen, in denen kaum Korrekturen umgesetzt wurden und die sich nun in Richtung des Jahres 2016 befinden. Die Lese 2018 wird da und dort eine Rechenaufgabe. Aber auch sehr gut geführte Anlagen haben gute und höhere als erwartete Erträge. Die Trauben sind, landläufig gesprochen – oft „mockig“ und, ebenfalls wie in 2016, sieht man ihnen ihr Gewicht nicht unbedingt an. Trockene Jahre sind UTA – Jahre, hier die notwendige physiologische Reife abzuwarten, wird ein Spagat. Abgesehen von den beiden angesprochenen Sortengruppen haben wir eine sehr hohe Reife vorliegen, sofern die Erträge nicht über die Stränge gehen. Die Mostgewichte sind vergleichbar 2003, teilweise sogar leicht höher zum selben Zeitpunkt bei nicht vergleichbarem Ertragsniveau. Die Säurewerte liegen aktuell zwar schon tief, aber immer noch besser wie 2003. Eine unglaubliche Bilanz des so trockenen Vegetationsverlaufes. Aus landwirtschaftlicher Sicht gehört der Weinbau in Südbaden damit eindeutig zu den Gewinnern des Jahres. Inzwischen hat die Lese überall begonnen, am Kaiserstuhl sind besonders im Güterbereich viele Selektionsflächen schon gelesen.

 

Erntehinweise

Für Betriebe mit Kellerwirtschaft werden die Oenologischen Hinweise auf der Internetseite des Staatlichen Weinbauinstitutes besonders empfohlen: www.wbi-freiburg.de unter Aktuelles: Oenologische Hinweise. Einer gesonderten Aufmerksamkeit bedürfen dieses Jahr Anlagen mit Trockenschäden und ob solche Bereiche gesondert erfasst werden.

 

Zum Reifeverlauf

Die angegebenen Mostgewichte basieren auf Messungen vom 04.09.2018 aus überwiegend mittleren und guten Lagen des Tuniberges und Glottertales. Vom Bodenseeraum liegen keine Werte vor, abgesehen von ersten Mitteilungen aus den Vorlesen. Die analytischen Werte ermittelt das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg durch Grape Scan. Der Reifeverlauf ist stark vom Ertrag geprägt. Die Aufbereitung der Proben und die Mostfarben sind ein gutes Indiz. Die Niederschläge haben nach den Werten des WBI besonders dem Müller – Thurgau geholfen, der Gutedel reagiert wenig. Die moderateren Temperaturen und doch an manchen Tagen teilweise Bedeckung helfen uns, etwas Zeit für die physiologische Reife zu gewinnen. Die Entscheidungen sind nicht immer einfach, da die Mostgewichte gerade im Burgunderbereich sehr hoch liegen. Gut geführte Anlagen bei Grau – und Spätburgunder zeigen ein schönes Reifeverhalten. Zur Steuerung der niedrigen Säurewerte und des pH – Wertes wurde inzwischen die Säuerung zugelassen, ein Instrument, dass immer häufiger benötigt wird. Bei der Frucht fallen sehr stark entblätterte Anlagen über alle Sortengruppen ab. Insgesamt liegen die Sorten eng beieinander. Sollte die Wetterlage so wie angesagt sich einstellen, kann bei bester Gesundheit gezielt über alle Sorten geerntet werden.

 

Frühsorten:

Hier stehen noch Regentanlagen. Die Spreizung im Ertrag ist ausgeprägt. Schön geführte Anlagen haben um die 90 º Oechsle. Die Trauben und Stiele sind stabil, bisher sind kaum die bekannten Überreifesymptome zu finden. Bei den guten Wetteraussichten kann die Sorte nach Wunsch geerntet werden.

 

Müller-Thurgau und Gutedel:

Diese beiden Sorten liegen in vielen Anlagen mit reichlichen Erträgen vor. Die Reife liegt hinter den Burgundersorten, auch wenn sich die Trauben durch die niedrige Säure sehr angenehm probieren. So waren die Mostfarben bei Müller – Thurgau noch grünlich, die Beerenhäute noch fest. Hier ist das grösste Ziel, eine ausreichend physiologische Reife anzustreben, wo uns die gute Wetterlage ungemein hilft. Bei Gutedel bewegen sich die Mostgewichte vielfach zwischen Anfang 60º Oe bis Anfang 70º Oe. Die Säurewerte, bewegen sich oft um die 4,5 – 5,5ºº. Bei Müller – Thurgau liegen die Mostgewichte von Anfang 70º Oe bis Mitte 80º Oe, letzteres bei sehr gut geführten Anlagen oder aus sonstigen Gründen niedrigeren Erträgen. Die Säurewerte liegen bei Mitte 5 bis knapp 7 ºº Sre.. Vereinzelt sind erste Botrytisbeeren zu finden.

 

Die Burgundersorten:

Die Burgunderanlagen stehen sehr schön und sind oft gut bis sehr gut geführt. Dennoch darf man sich nicht täuschen lassen, die Trauben haben Gewicht. Die Mostgewichte liegen in allen gut geführten Anlagen bei Mitte 90º Öchsle bis Anfang 100º Oe bei 6 bis 8ºº Säure. Die pH – Werte liegen um 3,3 bis 3,5.. Anlagen in späteren Lagen liegen im Mostgewicht um die 90 º Oe. Die Mostfarben sind gelb bis tief gelb, die Beerenhäute weich. Bei Spätburgunder sind Selektionsanlagen in der Mostfarbe tief rot. Grau – und Spätburgunder stehen in der Reife vorne, besonders die Ertragsreduzierten Anlagen.

 

Sonstige Sorten:

Auch die weiteren Sorten zeigen einen sehr guten gesundheitlichen Zustand. Sehr schön sind Gewürztraminer und Gelber Muskateller. Letzterer aber nur, sofern die Anlage ordentlich geführt wurde. Hohe Erträge führen hier zu Mostgewichten bei Mitte 70º Oe und grünlichen Mostfarben. Sehr schön die wenigen Rieslinganlagen, reife Anlagen zeigen erste Botrytisbeeren. Die Mostgewichte liegen von Ende 70º bis Anfang 80º Oe, die Fruchtausprägung ist schön. Die Säurewerte liegen bei10ºº und leicht darüber.

 

 

Zu den tierischen Schädlingen

In den Anlagen sind öfters von Ameisen angefressen Beeren zu finden, das einzige Schadbild, das aktuell einer Erwähnung bedarf. Gelegentlich finden sich darauf auch Fruchtfliegen, Bienen und andere Insekten. Die Lage bei der KEF ist sehr ruhig, es gibt bisher nur seltene, sporadische Eifunde, z.B. bei Dornfelder. In den Anlagen sind selten bis keine Fliegen zu finden, selbst bei unter anderen Umständen „üblen Ecken“, heisst: empfindliche Sorte wie Roter Gutedel, ungepflegt und noch in kritischer Umgebung. Die Beobachtung läuft weiter, wird auch bis auf eine Woche vor der Lese empfohlen, aber mit jeder Woche lässt die Spannung nach.

 

 

Dies war das letzte Weinbauinfo, ausser es gibt wirklich besondere Umstände. Nach der Lese erfolgt ein Info zu Fragen der Winterarbeit. Allen eine schöne Lese und eine glückliche Hand für die notwendigen Entscheidungen. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

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