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Weinbauinfo BodenseeNr. 21

Datum: 31.08.2017

Allgemeiner Entwicklungsstand

Heisse Tage und gefühlt tropische Nächte bestimmten das Wetterbild der vergangenen Woche. Dies ändert sich nun ab Wochenmitte. Es soll sich nach Durchzug von kräftigen Regen in eine herbstliche Stimmung wandeln. Die Reifeentwicklung der letzten Tage ist nach wie vor enorm gewesen und ein Stand auf dem Niveau des Jahres 2015 die Regel. Dies zeigen die Messungen des WBI, abrufbar unter http://www.wbi-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Fachinfo/Traubenreife. Eigene Messungen aus dem Beratungsgebiet werden erst noch erhoben. Die ersten Frühlesen dieser Woche brachten sehr gute Mostgewichte, bei Müller – Thurgau im Schnitt um die 75º Oe, bei Solaris rund 20º mehr. Ernüchternd sind aber die Erträge in den stark geschädigten Frostgebieten. Im Schnitt werden ca. 40 kg je ar erreicht. Die Lese 2017 kommt langsam in Gang. Die weitere Planung der Bettriebe umfasst Vorlesen kritischer Anlagen, teils für Saft, und weitere Frühsorten. Ebenso die Lese für Sektgrundweine, denn die Mostgewichte haben das notwendige Niveau. Teile der Müller – Thurgauflächen werden ebenfalls nicht zu lange auf sich warten lassen. Erfreulich ist der Gesundheitszustand. In der grossen Fläche stehen die Anlagen sehr gut, auch wenn es da und dort Anlagen mit Botrytis und Essignestern gibt. Es kamen aber nur sehr wenige neue Schadstellen durch z.B. Abdrücken von Beeren hinzu. Die sehr trockene Witterung hat die Entwicklung der Fäulnis stark eingegrenzt, was überall, aber besonders in den Hagelgebieten von Vorteil ist. Ausnahme ist der östliche Bodensee, da dort starke Regen ihre Spuren hinterlassen haben, Viele Klagen gibt es über verbreiteten Wespenfrass. Hier fehlen oft auch Alternativfrüchte, da einiges an Obst ebenfalls durch den Frost fehlt. Dasselbe gilt für Bienen, die auf geöffnete Früchte gehen. Mit dem doch insgesamt guten Gesamtzustand blickt man nun auf die kommenden Tage. Kommt viel Regen, wird dies die Lese beschleunigen. Sortengruppen wie Müller – Thurgau zeigen dann eine schnelle Abreife. Bleibt alles moderat, fördert es die Qualität. Vorteilhaft wären auf jeden Fall die kühleren Temperaturen, die Trauben hängen „brühwarm“ am Stock.

 

Zu den tierischen Schädlingen

Gegen Wespenfrass hilft nur abnetzen oder abfangen. Daher nochmals die Mischung der Schweizer Kollegen: 600 ml Bier, 200 ml Weinessig, 200 ml Himbeersirup und etwas Spülmittel als Netzmittel.

Die Lage bei der KEF hat sich in Südbaden insgesamt gesehen wenig verändert und ist in der grossen Fläche ruhig, obwohl an vielen Orten steigende Flugzahlen gemeldet werden. Wir hoffen, dass dies so bleibt, aber Vorsicht ist weiter geboten. Viel häufiger ist aktuell die HEF auf Schadstellen jeglicher Art zu finden, und hier dann oft in Mischung mit der KEF. Im Rahmen der Eibonituren sind die Funde niedrig und nur vereinzelt, die Ergebnisse sind unter http://www.vitimeteo.de/index.html veröffentlicht. Es fallen die üblichen Verdächtigen wie z.B. Roter Muskateller auf. Als überwiegend sehr gesund erweist sich nach wie vor der Regent. Dennoch sind gefährdete Sorten, Anlagen mit Wespenfrass, Randlagen mit Gebüsch, Obstanlagen oder Wald, Anlagen mit Fäulnis durch Abdrücken und früh reifende Anlagen von Spät – und Grauburgunder durch eigene Beobachtung besonders auf Flug von Fliegen ständig unter Kontrolle zu halten. Ein weiteres gutes Erkennungsmerkmal sind schäumende Tropfen an Einbohrstellen. Die Eibonituren bieten nur eine Stichprobe. Grundsätzlich ist zwar jeder Winzer für eine Entscheidung zur Behandlung selbst verantwortlich. Bei deutlichem Flug von HEF und KEF, besonders in den vorgeschädigten Anlagen, wird eine Behandlung unter Beachtung der Wartezeiten aber empfohlen, um der weiteren Essigverbreitung keinen Vorschub zu leisten. Die Massnahme ist im Vermarktungsbetrieb abzusprechen. Die Alternativen dazu sind Vorlesen oder eine vorgezogene Gesamternte. Wägen Sie die Alternativen gegeneinander ab.

Folgende Verfahren, bzw. Mittel haben im Weinbau gegen Fruchtfliegen eine Zulassung:

 

 

 

Verfahrensname / Handelsname

Bienen-gefährlichkeit

Wartezeit

(Tage)

Aufwandmenge

Anzahl Anwendungen

Combi protec + SpinTor

B1

14

1 l Combi protec + 5 ml SpinTor

+   20 l Wasser / ha

(obere   Traubenzone und direkt darüber liegende Laubwand)

2

Combi protec + Mospilan

B4

14

1 l   Combi protec + 25 ml Mosplian + 20 l Wasser / ha

(obere   Traubenzone und direkt darüber liegende Laubwand)

1

SpinTor

B1

14

160 ml / ha (Laubwand)

2

Exirel

B1

10

900 ml / ha (Laubwand)

1

Karate Zeon

B4

7

37,5 ml / ha (nur Traubenzone, mit driftreduzierter Anwendungs- technik, Düse Lechler ITR 80-01   C)

1

Mospilan SG

B4

14

375 g / ha (Laubwand)

1

 

Behandlungsempfehlung:

Wo eine Behandlung notwendig ist, empfehlen wir bevorzugt eine Spritzung mit der seit 2014 bewährten Kombinationsmethode.

 

Anwendungshinweise:

  • Zuerst handwarmes Wasser in      Messbecher, dann combi-protec dazugeben - sofort aufrühren!
  • Anschließend SpinTor oder      Mospilan zugeben.
  • Nicht direkt in Brühebehälter      geben.
  • combi-protec ist am besten bei      einer Temperatur über 20° C lösbar.
  • Applikation auf das trockene      Blatt.
  • Keine      Mischung mit Netzmittel.
  • Nach      dem Einsatz Spritze gründlich mit Wasser durchspülen!

 

An dieser Stelle hat die Weinbauberatung noch eine Bitte. Sofern Behandlungen gefahren werden, wäre es von Vorteil, dass einzelne Spritzfenster gelassen werden. Es geht um die Überprüfung der Notwendigkeit und der Strategie. Es muss nicht viel Fläche sein, ein paar Spitzzeilen oder zwei bis drei Reihen an einem Grundstück reichen. Das Verfahren spielt keine Rolle. Natürlich nehmen wir am liebsten die Kombinationsmethode, im Vordergrund steht aber die strategische Frage. Sprechen Sie sich unter den Kollegen ab und geben uns Rückmeldung, damit vor der Lese die Überprüfung durchgeführt werden kann.

 

Hinweise zum Bienenschutz:

Nach der Bienenschutzverordnung vom 22. Juli 1992 (BGBl. I. S.1410) dürfen Pflanzenschutzmittel mit der Einstufung B1 (Bienengefährlich) weder an blühenden Pflanzen (bspw. blühender Unterwuchs oder in der Nachbarschaft befindliche Blütenpflanzen) noch an von Bienen beflogenen nicht blühenden Pflanzen angewandt werden. Daher sind vor einem Einsatz von B1-Mitteln die blühenden Pflanzen zu mulchen. Honigtau und beschädigte Beeren in den Weinbergen sind generell als Warnsignal zu werten. Selbst wenn momentan kein Bienenflug beobachtet werden kann, besteht die Gefahr, dass dies in Kürze stattfinden kann. Die Ausbringung von B1-Mitteln sollte deshalb in diesen Fällen unterbleiben.

Weiter bitten wir zu beachten, dass in den wenigen Fällen, wo Bienenstände näher als 60 Meter zu Anlagen stehen, die mit B1-Mittel behandelt werden sollen, Rücksprache mit dem Imker zu erfolgen hat: Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen innerhalb eines Umkreises von 60 m um einen Bienenstand entweder während des täglichen Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers oder außerhalb der täglichen Flugzeit eingesetzt werden. Sinnvoll ist es auch, die ortsansässigen Imker zu informieren.  

 

Weinbauliche Hinweise

Es gibt immer noch einzelne Winzer, die Bodenbearbeitungen durchführen. In frühen, warmen Jahren in Verbindung mit Wasser ist dies eine riskante Mischung für den Gesundheitszustand der Anlagen. Die einzigen Bereiche, wo dies sinnvoll ist, sind die Pflanzstreifen der einjährigen Junganlagen. Die unter den heissen Bedingungen „brühwarmen“ Trauben zeigen die Grenzen der Entblätterung auf. Moderates Arbeiten reicht für die Kontrolle der Fruchtfliegen. Ansonsten verlieren wir unseren grossen Vorteil in den Weinen: Frucht, Finesse und Lagenunterschiede. .Bei vorgeschädigten Anlagen, die noch absehbar längere Zeit nicht gelesen werden, ist die Entfernung stark befallener Trauben mit Essigfäule aus der Anlage sinnvoll. Bis zur Lese sind diese eh verdorben und den Fliegen keine Brutstätte mehr. Zusätzlich wird die Behandlungsnotwendigkeit eingeschränkt, sofern das Wetter mitmacht. Das ist die Frage der kommenden Tage.

 

Das nächste Weinbauinfo erfolgt in loser Folge bei wesentlichen notwendigen Hinweisen und Informationen ebenfalls zum Reifeverlauf. Dieses Info erscheint nicht auf dem Anrufbeantworter. Bitte informieren Sie ihre Kollegen.

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