Service-Navigation

Suchfunktion

Pflanzenschutz-Hinweis Gemüsebau Südbaden 2018/13

Datum: 06.07.2018

Raupen

Auffällig viele Kohlweißlinge fliegen in diesem Jahr über die Felder. Das macht sich auch an den Ei- und Raupenzahlen am Kohl bemerkbar. In manchen unbehandelten Beständen sind oft mehrere Raupen des Kleinen Kohlweißlings an einer einzigen Pflanze zu finden. Das ist ungewöhnlich, denn dieser Falter legt seine Eier einzeln ab. Ungewöhnlich ist auch das sehr starke Auftreten des Großen Kohlweißlings. Dieser tritt bei uns normalerweise erst gegen Ende des Sommers in Erscheinung und selbst dann meist in so geringer Zahl, dass kein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Dieses Jahr findet man schon seit Mitte Juni regelmäßig die bis über 100 Eier umfassenden Gelege. Auch die Raupen, die nach dem Schlüpfen als Gruppe zusammenbleiben, und gemeinsam einzelne Pflanzen bis auf die Blattrippen abnagen können, sind schon aktiv. Mit den üblichen Insektiziden (z. B. Coragen, XenTari, Dipel, Steward, SpinTor) können die Raupen beider Arten gut bekämpft werden. Auf Bio-Flächen bricht ein starker Befall oft auch ohne Zutun zusammen. Grund dafür sind verschiedene Schlupfwespen und Raupenfliegen. Bis es soweit ist, können aber noch große Schäden entstehen, je nach Art und Entwicklungsstand der Kulturen. Das muss bei der Entscheidung über eine Behandlung berücksichtigt werden.

Eigelege von Großem Kohlweißling



Bild oben: Gelege des Großen Kohlweißlings. Mit Hilfe einer Lupe erkennt man feine Längsrillen an den Eiern. Das unterscheidet sie von denen der Marienkäfer.

Bild unten: In der Raupe eines Großen Kohlweißlings können sich dutzende Schlupfwespenlarven entwickeln. Wenn sie ausgewachsen sind, verlassen sie den Wirt und verpuppen sich in gelben Kokons. Die Raupe verendet wenige Tage danach.

Kokons von Schlupfwespen aus Raupe des Großen Kohlweißlings

Auch die Population der Kohlmotten wird im Hochsommer normalerweise durch natürliche Gegenspieler fast ausgelöscht. In manchen Bio-Kohlen sind schon größere Zahlen an Schlupfwespen unterwegs.

Auf der Mehrzahl der Flächen ist der Befall durch Kohlmotte aber noch bekämpfungswürdig. Wenn von der Kohlmotte gleichzeitig Raupen verschiedener Größe, Puppen und adulte Falter im Bestand vorhanden sind, sollten 2 oder 3 Behandlung im Abstand von etwa 7-10 Tagen durchgeführt werden, um den Entwicklungszyklus zu brechen. Die Kohlmotte kann schnell Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe entwickeln. Deshalb ist eine Erfolgskontrolle nach einer Behandlung nötig, um zu erkennen, ob man das richtige Mittel gewählt hat. Die Wirkung von Pyrethroiden (Karate, Bulldock etc.) ist vielerorts bereits mangelhaft.

Der Flug der Lauchmotte nimmt auf niedrigem Niveau zu.

Die Aktivität der Gammaeule ist leicht rückläufig. Mit dem Auftreten von Eulenraupen in Salat und Fruchtgemüse muss weiter gerechnet werden.



Blütenendfäule

Besonders in Fleisch- und Romatomaten, aber auch Paprika gibt es jetzt viel Blütenendfäule.

Ursache dafür ist ein Mangel an Kalzium. Dieses Element wird von der Pflanze in ausreichender Menge aus dem Boden aufgenommen. In der Pflanze wird es aber ausschließlich mit dem Wasserstrom transportiert. Pflanzenteile, die viel verdunsten, erhalten viel Wasser und damit viel Kalzium. Früchte haben eine kleine Oberfläche im Verhältnis zur Masse. Deshalb sind dort Verdunstung und damit Kalziumversorgung gering. Wenn dann auch noch zu wenig Wasser als Transportmittel vorhanden ist, kommt es noch schneller zu einem Kalziummangel und damit Blütenendfäule an den Früchten.

Blütenendfäule gibt es deshalb dann, wenn die Pflanzen unter Wasserstress stehen, also bei Hitze und damit verbundener niedriger Luftfeuchte. Dann stellen die Blätter die Transpiration ein, um sich vor dem Vertrocknen zu schützen. Die Folge ist, dass der Wasser-/Kalzium-Transport zum Erliegen kommt. Eine Schattierung auf dem Gewächshaus kann dem etwas entgegenwirken. In Häusern mit Tropfbewässerung kann die Luftfeuchtigkeit durch flächiges Beregnen angehoben werden. Das vergrößert außerdem das Bodenvolumen, das von den Pflanzenwurzeln erschlossen werden kann und damit die verfügbare Wasser- und Kalziummenge. Die Luftfeuchte anheben kann man auch mit einem mehrmals täglichen kurzen Überbrausen der Pflanzen mit Wasser. An sonnigen, warmen Tagen besteht dabei keine Gefahr für Pilzinfektionen. Braunfäule braucht mindestens 2 Stunden Blattnässe zum Infizieren.

Aber auch bedecktes, regnerisches Wetter, zumindest in schlecht gelüfteten Häusern und Tunneln, ist gefährlich: Regenwetter verleitet dazu, die Wassergaben zu reduzieren, um keine Pilzkrankheiten zu fördern. Diese Überlegung ist für Tomaten prinzipiell richtig. Aber man darf es mit der Trockenheit nicht übertreiben. Tomaten brauchen auch bei trübem Wetter Wasser! Wo es regelmäßig trotz guter Wasserversorgung und Klimaführung zu Blütenendfäule kommt, sollten Spritzungen mit einem Kalzium-Blattdünger nach Herstellerempfehlungen durchgeführt werden. Diese sollten ein- bis zweimal pro Woche durchgeführt werden. Auch Calciumchlorid (Lebensmittelzusatzstoff E509) kann in 0,2 bis 0,3-%iger Lösung verwendet werden.

Fußleiste